Die Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii) wurde 1844 von John Edward Gray beschrieben. Man erkennt sie an dem ovalen bis kreisrunden Rückenpanzer, der insgesamt deutlich flacher ist als bei allen anderen Testudo-Arten. Die Färbung reicht von gelblich über oliv bis braun mit verschieden großen dunklen Flecken. Sehr alte Tiere können fast schwarz (Afghanistan), aber auch fast zeichnungslos gelbbraun sein. Die Weichteile sind gelb bis braun, das Schwanzschild ungeteilt und an den kräftigen Vorderbeinen befinden sich , im Gegensatz zu den anderen Testudo-Arten, grundsätzlich nur vier Zehen, die sehr kräftige Krallen tragen. Die Art erreicht eine Größe von 15 cm (Männchen) bis etwa 25 cm, sehr selten 28 cm Körperlänge (Weibchen) und wiegt dann etwa 500 g bis zwei Kilogramm.





Die Tiere besiedeln die Region westlich des Kaspischen Meeres über Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan und südwärts bis Ost-Iran, Nord-Afghanistan, Pakistan und West-Belutschistan bis hinein in das westliche China. Nach ihrem Hauptverbreitungsgebiet ist sie eine asiatische Art. Es gibt jedoch ein Vorkommen südlich von Kuibyschew. Damit wäre sie die am nördlichsten vorkommende Testudine. Die Vierzehenschildkröte heißt auch Steppenschildkröte, denn sie bewohnt ausgesprochen aride, teilweise steinige Landstriche wie auch Lehmsteppen. Ein dritter Name für sie ist immer noch geläufig, nämlich Russische Landschildkröte, da die Hauptexportländer Kasachstan und Usbekistan ursprünglich zu Russland gehörten. In den Siebziger- und Achzigerjahren bis heute wurden und werden die Tiere in großen Mengen eingesammelt und exportiert.




Beschreibung
Die Vierzehenschildkröte hat, im Gegensatz zu den anderen Testudo-Arten, bei denen dies nur gelegentlich vorkommt, vier Krallen anstelle von fünf an ihren Vorderfüßen. Aus diesem Grunde wird von manchen Autoren die Art eher zur Gattung Agrionemys gestellt (Khozatsky & Mlynarski, Polen). Die Geschlechtsreife tritt ab elf bis zwölf Jahre ein.
Sie haben auch einen flacheren Carapax als die häufig gehaltenen anderen Testudo-Arten des Mittelmeerraumes, wobei Männchen meist flacher als Weibchen (Bonnet et al. 2001). Die Panzerform ist von oben her gesehen meist kreisrund, besonders bei jungen Exemplaren und männlichen Tieren; adulte Weibchen sind eher länger als breit. Der Bauchpanzer ist in der Regel überwiegend schwarz. Die Männchen besitzen nicht wie andere Landschildkröten so auffallende Innenwölbung am Plastron.


Verhalten
Die jährliche Aktivitätszeit der Tiere ist im Gegensatz zu den anderen Testudo-Arten recht kurz, in Turkmenistan etwa 100 Tage im Jahr. Die Tiere erwachen meist Ende Februar bis Anfang März aus der Winterruhe und nutzen die kurze Zeit, bis alles vertrocknet ist, intensiv zum Fressen, zur Paarung und zur Eiablage. Ende Mai bis August halten sie oft eine so genannte Sommerruhe, was dann meist Mitte bis Ende August in eine Winterruhe übergeht. Bei uns gehaltene Steppenschildkröten haben meist eine mehr oder wenige lange Sommerrruhe, bei Nachzuchten in unserem Lande und besonders bei juvenilen Arten fällt oft die Sommerruhe ganz weg, wie dies auch bei meinen gehaltenen Tieren der Fall ist. Sie ist bei morgens und nachmittags am aktivsten und ziehen sich bei sehr heißen Zeiten in ihre Höhlen zurück und können sehr gut klettern.


Haltung
Bei uns gehaltene Vierzehenschildkröten sollten nach der Winterruhe sofort heiß-trockene Bedingungen mit sehr hoher Strahlungsintensität geboten werden. Dies ist nur im Haus oder Gewächshaus möglich. Ab Mai können sie auch dann bei uns ins Freiland gebracht werden, sobald das wärmeres Wetter herrscht und nicht mehr so verregnet ist. Sie benötigen einen sonnig gelegenen Platz, der keine Staunässe zuläßt. Die Tiere bleiben über den Sommer draußen, aber bereits Mitte August könnten sich die Tiere schon zur Winterruhe eingraben.
Wie schon beschrieben, halten sie dann eine lange Winterruhe, nach Obst (1988) im gesamten Areal von 3 - 5 Monaten. Die Temperaturen sollten gleichmäßig niedrig sein (5 - 6 Grad C) und dürfen nur trocken bis leicht feucht untergebracht sein, da die Tiere gegen Nässe sehr empfindlich sind. Tiere, die entgegen ihren natürlichen Ansprüchen ganzjährig warm gehalten werden, leben meist nicht lange! Wenn man den Tieren die Winterruhe verwehrt, wird der natürliche Biorhythmus unnötig gestört und es kommt auch meist auch zu Problemen beim Wachstum. Wenn man sich Vierzehenschildkröten anschafft, sollte man also unbedingt auch gleich an ein geeignetes Winterquartier für sie denken. Sie sollten nach der Winterruhe zumindest in einem Gewächshaus, oder auch Zimmerterrarium mit ausreichend großer Grundfläche gepflegt werden, da unser mitteleuropäischer Frühling und teilweise auch der Sommer außerhalb von Weinbaugebieten, für diese Schildkröten zu feucht und kalt ist. Die Lufttemperatur sollte zwischen 26 und 28 °C betragen, während an zusätzlich mit Strahlern beheizte Sonnenplätze der Boden durchaus 40-50 °C betragen kann. In der Nacht darf die Lufttemperatur auf 15 - 22 °C absinken. Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit, in kalten Gebieten der Schweiz erst mit Beginn des Hochsommers, können die Tiere ins Freiland überführt werden. Hierbei sollte ein Frühbeet oder Gewächshaus den Tieren zur Verfügung stehen.


Ernährung
Die Ernährung der Steppenschildkröte unterscheidet sich kaum von den Empfehlungen, die auch für die griechischen Landschildkröten gelten. Grundsätzlich sollte diese Art mit rohfaserreicher, eiweißarmer Nahrung gefüttert werden, die außerdem ein ausgewogenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis aufweist.

Jungtier von Testudo (Agrionemys) horsfieldii NZ07

Jungtier von Testudo (Agrionemys) horsfieldii

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