Die richtige Bezeichnung für die Überwinterung bei Reptilien lautet Hibernation oder Winterstarre.
Landschildkröten halten sie um die Kälteperiode, also um den Winter zu überbrücken.
Die Winterstarre gehört also zum natürlichen Jahreszyklus der mediterranen Landschildkröten und muss unbedingt allen Tieren ab dem ersten Lebensjahr ermöglicht werden.

Gerade bei Jungtieren ist die Winterstarre notwendig, da diese sonst zu schnell wachsen und daran erkranken. Tiere die regelmäßig ihre Winterstarre halten sind widerstandsfähiger, kontrastreicher gefärbt und wesentlich agiler.

Viele Halter haben Hemmungen, ihre Schildkröten zu überwintern weil sie Angst haben, dass sie erfrieren oder verhungern könnten.
Doch diese Einstellung ist falsch und schadet dem Tier nur.
Darauf verzichten sollte man nur bei kranken oder geschwächten Tieren, da diese im Winter sterben könnten.


Wenn es Herbst wird, die Temperaturen unter 8°C sinken und die Tage immer kürzer werden,
stellen sich die Tiere langsam aber sicher um.

Sie stellen nach einer gewissen Zeit von alleine die Nahrungsaufnahme ein und fangen an, ihren Darm zu entleeren. Wenn die Umgebungstemperatur von ca. 5°C erreicht wird, fallen die Tiere in die Winterstarre und reduzieren ihren Stoffwechsel auf ein Minimum.
Ihr Herz schlägt bei dieser Temperatur nur etwa 5 Mal in der Minute!


Der Begriff " Winterruhe"

1. Der Begriff „Winterruhe“
Umgangssprachlich oft benutzt und doch nicht ganz korrekt sind die Begriffe Winterschlaf und Winterruhe. In Wirklichkeit fallen unsere Landschildkröten in eine „Kälte- bzw. Winterstarre“.
Nachfolgend sind die Unterschiede kurz erläutert:

1.1. Winterschlaf
Als „ Winterschlaf“ (Hibernation) bezeichnet man den Ruhezustand gleichwarmer Tiere (Säugetiere/Vögel ) während der kalten Jahreszeit. Dieser Schlaf wird nötig, da den Tieren im Winter meist nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung steht. Äußere Faktoren wie Temperaturabsenkung und Verkürzung der Tageslängen im Herbst, bewirken eine Umstellung des Hormonhaushalts. Die Tiere suchen sich ein Versteck, verkriechen sich und zehren von ihren Fettreserven.Um den Verbrauch so gering wie möglich zu halten, wird die Körpertemperatur von über 30°C auf 7°C und darunter gesenkt und die Herzfrequenz auf 2-3 Schläge pro Minute reduziert.
Typischer Vertreter ist der Europäische Igel.Die Beendigung des Winterschlafs wird vermutlich ebenfalls durch externe Faktoren (Temperatur etc.) ausgelöst. Die Tiere erhöhen durch Muskelzittern zunächst die Temperatur des Kopfes auf normale Werte und dann den Rest des Körpers.Unterbrechungen des Winterschlafs sind eher selten.

1.2 Winterruhe
Im Gegensatz zum Winterschlaf hat die Winterruhe meist kaum Auswirkung auf die Körpertemperatur. Gleichwarme Tiere in der Winterruhe senken ihre Körpertemperatur nur leicht unter das Normalniveau ab und unterbrechen ihre Winterruhe häufiger, zum Teil auch zur Nahrungsaufnahme. Einige von ihnen legen dafür Nahrungsvorräte für die Winterzeit an. Beispiele sind z.B. das Eichhörnchen oder der Siebenschläfer.
Ausnahme bilden hier die Bären, die durch ein bestimmtes Hormon (HIT) in der Lage sind, bis zu 7 Monate ohne Unterbrechung in einem Dämmerschlaf zu verbringen.

1.3 Kältestarre
Im Gegensatz zu Säugetieren und Vögeln sind Amphibien und Reptilien und damit auch Schildkröten nicht in der Lage, ihre Körpertemperatur selbständig auf dem für Stoffwechsel und Immunsystem optimalen Niveau zu halten, dass bei über 30°C liegt.
Die Regelung der Körpertemperatur ist maßgeblich von einer externen Wärmequelle, abhängig, die die Körperfunktionen auf Trab hält.
Mit abnehmender Intensität der Sonne und Tageslängen im Herbst, wird es für die wechselwarmen Schildkröten immer schwerer ihre bevorzugte Körpertemperatur durch Sonnenbaden aufrecht zu erhalten, deshalb ziehen sie sich in frostfreie Verstecke zurück. Beendet wird die Kältestarre durch dauerhaft ansteigende Umgebungstemperaturen.


Jedes Jahr im Herbst, wenn die Nächte kälter und die Tage kürzer werden, beginnen unsere Tiere sich auf die Winterstarre vorzubereiten.
» Wir verwenden hier weiter den Begriff Winterstarre, obwohl viele „Fachleute“ das Wort Hibernation (= Überwinterung) bevorzugen.

Man merkt es den Tieren deutlich an:
Sie sind weniger aktiv und fressen weniger.
Ihr Schlafhaus verlassen sie täglich nur noch für kurze Zeit, um sich aufzuwärmen und kleine Mengen Nahrung und Wasser zu sich zu nehmen.
Anschließend verschwinden sie wieder. Die meiste Zeit des Tages verbringen sie nun leicht eingegraben im Schlafhaus.
Diesen Prozess unterstützen wir ab Anfang Oktober dadurch, dass wir die Betriebsdauer der Spotstrahler langsam herabsetzen, bis sie letztlich ganz ausgeschaltet bleiben.
Lediglich den Elsteinstrahler im Schlafhaus lassen wir über einen Thermotimer 24 Std. in Betrieb.
Er ist auf +10 Grad eingestellt und dient mir als Frostschutz.
Wenn es nachts Temperaturen um den Gefrierpunkt gibt, nehmen die Schildkröten so keinen Schaden.

Während dieser Zeit füllen wir das Schlafhaus mit Buchenlaub auf.
So können sich die Schildkröten darin eingraben und verstecken.
Gefüttert wird nun nicht mehr.

Wenn dann die Zeit gekommen ist, dass sich im Schlafhaus keine unserer Schildkröten mehr rührt - das ist meist Anfang November der Fall - werden die Tiere nochmals gewogen und dann in vorbereiteten Kunststoffkisten in den Kühlschrank überführt.
Die Kunststoffkisten beinhalten zunächst eine leicht feuchte, ca. 10cm dicke Schicht bestehend aus aufgeweichten Kokosfasern und Rindenhumus.
Darauf werden dann die Schildkröten gesetzt. Zum Schluss decken wir die Tiere mit Buchenlaub zu.
Die Kisten haben keinen Deckel, so dass eine Luftzirkulation stattfinden kann. Um Frischluft zu zuführen wird der Kühlschrank alle drei Tage kurz geöffnet.
Wir besitzen einen großen Kühlschrank.
Diesen stellen wir mit Hilfe des eingebauten Thermostates im mittleren Bereich, auf ca. +5 Grad ein.
Die Temperaturschwankungen im Kühlschrank liegen durch die thermostatbedingten Schwellenwerte bei ca. +/- 2 Grad.
Auf diese Weise bereiten wir unsere griechischen Landschildkröten auf die Winterstarre vor
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